Was ist ein gutes Leben?

Gut ist ein Leben, wenn es uns gibt, was wir von einem Leben in möglichst aufgeklärter Weise wollen, was immer es sei, und wenn wir das Glück haben, dass sich das so weit aufgeklärte Wollen mit dem Wollen deckt, das wir hätten, wenn wir alle nötigen Informationen hätten. – Natürlich bleibt es richtig, dass die Menschen verschiedene Dinge vom Leben wollen; und sie würden, einfach, weil sie verschieden sind und in verschiedenen Verhältnissen leben, auch dann verschiedene Dinge vom Leben wollen, wenn sie besser über sich und die Welt Bescheid wüssten. Aus diesem Grunde gibt es nicht nur ein Kriterium (oder ein Kriterienbündel) für das Gutsein eines Lebens, es gibt verschiedene. Das unterschiedliche Wollen der Menschen kreiert verschiedene Kriterien, so dass ohne Zweifel verschiedene Weisen zu leben, gut sind.

Quelle: Was es heisst, ein gutes Leben zu führen, Autor: Peter Stemmer, in: Was ist ein gutes Leben? Philosophische Reflexionen. Herausgegeben von Holmer Steinfarth

 

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Durkheims individualistische Theorie der sozialen Arbeitsteilung

In Durkheims Frühwerk Über soziale Arbeitsteilung lässt sich der Ansatz zu einer individualistischen Theorie von Moral und sozialer Solidarität erkennen, die sich grundsätzlich von den Theorien unterscheidet, die Durkheim in seinen späteren Werken entwickeln sollte. In der Arbeitsteilung versucht Durkheim, die Entstehung von moralischen Normen und der Motivation zu einem solidarischen Handeln aus der Natur der sozialen Beziehungen zu erklären, die Individuen in arbeitsteiligen Gesellschaften eingehen. Dabei zeigt sich Durkheim nicht nur als “versteckter” methologischer Individualist. Er erweist sich auch als ein Vertreter der optimistischen Sichtweise, die der modernen Gesellschaft zutraut, aus eigener Kraft die für ihren Bestand notwendige Moral und Solidarität sicherzustellen. Durkheims spätere anti-individualistische Wende hat so auch die Folge, dass er sich in die Reihe derjenigen eingliedert, die mit der modernen Gesellschaft eher eine moralische Krise als einen moralischen Aufbruch verbinden. In dem Aufsatz wird Durkheims individualistischer Ansatz in der Arbeitsteilung rekonstruiert und der Frage nachgegangen, ob dieser Ansatz vielleicht tragfähiger war, als Durkheim selber im Nachhinein geglaubt hat.

Quelle / Link: Durkheims individualistische Theorie der sozialen Arbeitsteilung

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Der Bevölkerung ein neues, der gesellschaftlichen Dimension aufgeschlossenes Zukunftsbewusstsein vermitteln (Alvin Toffler)

In einer Welt, die sich immer schneller ändert, liegt uns das nächste Jahr näher als in einer beschaulichen Ära der nächste Monat. Diese radikal veränderte Lebenstatsache muss von den Menschen, die in der Industrie, in der Regierung und Verwaltung Entscheidungen fällen, berücksichtigt werden. Sie müssen ihren Zeithorizont erweitern.

Für die entferntere Zukunft zu planen, bedeutet nicht, sich an dogmatische Programme zu binden. Pläne können provisorisch, elastisch und ständiger Revision unterworfen sein. Flexibilität heisst aber nicht Kurzsichtigkeit. Damit wir die Technokratie hinter uns lassen, müssen unsere gesellschaftsbezogenen Zeithorizonte Jahrzehnte, ja Generationen in die Zukunft erstrecken. Das verlangt mehr als eine Verlängerung der formellen Planung. Es bedeutet, dass der gesamten Bevölkerung ein neues, der gesellschaftlichen Dimension aufgeschlossenes Zukunftsbewusstsein vermittelt werden muss.

Quelle: Der Zukunftsschock

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Corona aus Sicht der Sozialwissenschaften

Von Ralf Keuper

Anbei eine Aufstellung von Beiträgen aus den Sozialwissenschaften, die sich mit den Auswirkungen von Corona auf die Gesellschaft beschäftigen:

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Corona ökonomisch betrachtet

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Aktuelle Beiträge der Katastrophen- und Krisenforschung

Von Ralf Keuper

Die erste Katastrophenforschungsstelle in Deutschland wurde 1987 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gegründet. Ihr Initiator war Lars Clausen, der die Kastastrophensoziologie begründete. Mittlerweile residiert die Katastrophenforschungsstelle an der Freien Universität Berlin.

Zum Forschungsverständnis der KFS:

Katastrophen müssen nach dem Selbstverständnis der KFS in ihren kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen verstanden werden. Bspw. werden Extremwetterlagen erst im Zusammentreffen mit gesellschaftlichen und kulturellen Einrichtungen und Verhaltensweisen zu Risiken.

In den letzten Tagen hat der Krisenforscher Frank Rosslieb vom Institut für Krisenforschung in Kiel bei mehreren Gelegenheiten in den Medien seine Einschätzung zur aktuellen Corona-Krise abgegeben:

Weitere Informationen:

Die Krise als Beruf

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Krisen und Katastrophen: Kein Thema für Niklas Luhmann?

Wenn man den Zettelkasten Niklas Luhmanns zu den Themen „Krise“ und „Katastrophe“ befragt und zu diesem Zweck die 1250 bzw. 3200 Stichworte umfassende Schlagwortregister der beiden Sammlungen konsultiert, so ergibt sich ein eher ernüchternder Befund.

Den Begriff „Krise“ kennen die Register nicht – was hinsichtlich der frühen, eher philosophisch orientierten Sammlung (ca. 1950-1963) schon überrascht, da hier die Husserl-Bezüge mit dem Konzept der Lebenswelt, das in dessen Krisis-Aufsatz entwickelt worden ist, unübersehbar sind. In der zweiten, neueren und genuin soziologischen Sammlung (ca. 1963-1996) werden für „Krisentheorie“ immerhin vier Systemstellen benannt, von denen allerdings nur eine überhaupt einen nennenswerten Umfang erreicht. Diese 43 Zettel umfassende Abteilung „532/14 Krisentheorie“ befindet sich im Kontext des ca. 2000 Zettel umfassenden Themenblocks „532 Soziale Ordnung / Soziales System“, der sich primär mit der Organisation beschäftigt und den Luhmann größtenteils bereits bis Mitte der 1960er Jahre erstellt haben dürfte. Entsprechend wird Krise hier primär als ein Strukturänderungsproblem in Organisationen verstanden, auch wenn der Begriff zunächst an das allgemeine System/Umwelt-Modell, wie es für den damaligen Entwicklungsstand der Luhmannschen Theorie charakteristisch war, angepasst wird:

[Zettel 532/14 / nl-zkII-10- 523_14] „Krisentheorie Krisen sind heikle Situationen in System/Umwelt-Beziehungen, die den Bestand des Systems in Frage stellen. Die Krisenlehre ist, weil sie einen Extremfall behandelt, für Strukturfragen in besonderem Sinne aufschlussreich. Sie ergibt sich in ihrer Problemdarstellung und in ihren Bezugsbegriffen aus der allgemeinen System/Umwelt-Theorie.“

Quelle: Krisen und Katastrophen: Kein Thema für Niklas Luhmann?, in: Sozusagen: Bielefelder Studierendenmagazin der Fakultät für Soziologie, Wintersemester 2012/2013

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Die Offensichtlichkeit der Gefahren stellt den eingefahrenen Verharmlosungs- und Vertuschungsroutinen immer mehr Widerstände entgegen (Ulrich Beck)

Die Offensichtlichkeit der Gefahren stellt den eingefahrenen Verharmlosungs- und Vertuschungsroutinen immer mehr Widerstände entgegen. Die Modernisierungsagenten – in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik – sehen sich in den unbequemen Zustand eines leugnenden Angeklagten versetzt, den die Indizienkette ganz schön ins Schwitzen bringt.

Man könnte sagen: War alles schon mal da. Nichts Neues. Doch die systematischen Unterschiede stechen ebenso ins Auge. Die Unmittelbarkeit persönlich und sozial erlebten Elends steht heute der Ungreifbarkeit von Zivilisationsgefährdungen gegenüber, die erst im verwissenschaftlichen Wissen bewusst werden und nicht direkt auf Primärerfahrungen zu beziehen sind. Es sind die Gefährdungen, die sich der Sprache chemischer Formeln, biologischer Zusammenhänge und medizinisch-diagnostischer Begriffe bedienen. Diese Wissenskonstitution macht sie allerdings nicht weniger gefährlich. Im Gegenteil: einer großen Bevölkerungsgruppe stehen heute, mit oder ohne Absicht, durch Unfall oder Katastrophen, im Frieden oder Krieg  Verheerungen und Zerstörungen ins Haus, vor denen unsere Sprache versagt, unser Vorstellungsvermögen, jegliche medizinische und moralische Kategorie. …

Damals (19. Jahrhundert) war die Betroffenheit vorgegeben mit dem Klassenschicksal. Man war sie hineingeboren. Sie haftete einem an. Zog sich von der Jugend bis ins Alter. Steckte in allem: wo und was man arbeitete, wie und mit wem man lebte, welche Kollegen und Freunde man hatte und wen man fluchte und gegen wen man, wenn es sein musste, auf die Straße ging.

Quelle: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne

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Schrieb einen Bestseller über Politische Gerechtigkeit | Philosoph Prof. Otfried Höffe | SWR1 Leute

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Zum Begriff “Elite”

… Für den womöglich weniger kritischen Teil der Öffentlichkeit zählen allerdings auch Filmstars und Schlagersternchen, betuchte Vertreter der High Society oder Modezaren zu den “oberen Zehntausend”, also zur “Elite”. Die besonderen Eigenschaften, die in den Augen dieses Publikums eine Person zur Elite gehörend ausweisen, scheinen mit den Kriterien der Sozialwissenschaften kaum vereinbar.

“Die Elite” gibt es als jedenfalls nicht. Die erwähnten unterschiedlichen Etiketten bringen das zum Ausdruck: Werte-, Leistungs-, Funktions-, Positions-, Machtelite. Dabei sind die Grenzen teilweise durchlässig. Die Sozialwissenschaftlerin Roswita Königswieser stellt fest: ” Viele Mitglieder einer Elite gehören sowohl der einen als auch der anderen an”. Und sie allen finden sich in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen-Eliten wieder: in der Politik-, Kultur-, Sport-, Wissenschafts- und in der Wirtschaftselite. “Das sind Menschen in Schlüsselpositionen”, so definiert die Sozialwissenschaftlerin die Wirtschaftselite, “die eine besondere Durchsetzungsfähigkeit auszeichnet, die leidenschaftlich gestalten und steuern wollen. Sie gehören zur Machtelite. Um zur Elite im ursprünglichen Sinn zu zählen, gehört aber noch mehr: etwa in der Lage zu sein, über den Tellerrand hinaus zu gucken. Das sind Denker, die das Unternehmen als Teil der Gesellschaft betrachten. Eben nicht ausschließlich als Geldmaschine, sondern auch als institutionelle Einrichtung”.

Quelle: Elite ohne Ethik? Die Macht von Werten und Selbstrespekt, von Daniel F. Pinnow

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