Leonard Nelson – Macht und Ohnmacht der Vernunft

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Befehl und Masse (Elias Canetti)

Ein Befehl an viele hat .. einen ganz eigenen Charakter. Er bezweckt, aus den vielen eine Masse zu machen, und soweit ihm das gelingt, weckt er keine Angst. Das Schlagwort des Redners, das den versammelten Menschen eine Richtung aufzwingt, hat genau diese Funktion und lässt sich als ein Befehl an viele auffassen. Vom Standpunkt der Masse aus, die rasch entstehen und sich als Einheit bewahren möchte, sind solche Schlagworte nützlich und unentbehrlich. Die Kunst des Redners besteht darin, dass er alles, was er bezweckt, in Schlagworten zusammenfasst und kräftig vorbringt, die der Masse zu Entstehung und Bestand verhelfen. Er erzeugt die Masse und hält sie durch einen übergeordneten Befehl am Leben. Wenn er das nur fertiggebracht hat, ist es kaum von Bedeutung, was er dann wirklich von ihr verlangt. Der Redner kann eine Ansammlung von einzelnen auf das furchtbarste beschimpfen und bedrohen, sie werden ihn lieben, wenn es ihm auf diese Weise gelingt, sie zur Masse zu formen.

Quelle: Masse und Macht

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Andreas Urs Sommer: Philosophische Flaschenpost – Nietzsche und tanzende Sterne (DLF Kultur)

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Der Stolz, der Wert auf persönliche Überprüfung legt …

Zu dem Zeitpunkt, an dem die Fassungskraft des einzelnen gegenüber dem Wissensgut des Menschengeschlechts in seiner Gesamtheit immer mehr nachließ, wurde der Mensch auch immer empfänglicher für den dauernden Druck, den das Gesamte auf ihn ausübte: Wie ein Seismograph vermerkt er die beunruhigenden und zumeist unentzifferbaren Wellenzüge, die heute auf dem ganzen Erdball Sekunde für Sekunde ausgestrahlt werden: Nachrichten vom Überfliegen der Polargebiete bis zum Eisenbahnerstreik in Chikago, von Atomversuchen in Sibirien bis zur Entdeckung eines neuen Insektenvertilungsmittels in Texas. Wenn er auch nur für einen Moment sein kleines, individuelles, aber wirkliches, Paradies: die Gleichgültigkeit aufgibt, wir seine Aufmerksamkeit sogleich von tausend technischen, politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen geviertelt, die hinfort größte Aktualität besitzen: Keiner kommt ihm mehr geheuer vor; er ahnt dunkel, dass es kein Betätigungsfeld für den Menschen, keine Wissensgebiete mehr gibt; auch solche nicht, die bisher traditionsgemäß als besonders harmlos galten: die Geschichte, die Genetik oder die Statistik, die es von nun an nicht in sich hätten, in sich in Bezug auf ihn ganz persönlich. Es kann keine Rede mehr davon sein, dass man sich ihnen völlig verschließen könnte; aber Aufmerksamkeit und Zeit, die den einzelnen verbleiben, werden auf schwindelerregende Weise reduziert: bis zur Aufmerksamkeit, wie man sei einer Rundfunkplauderei widmet, und bis zu der Zeit, welche die Lektüre eines Artikels auf der zweiten Seite des Abendblattes in Anspruch nimmt. Die Folge ist, dass es – zahlenmäßig genommen – im Jahre 1950 nirgendwo mehr Leser gibt, die ihr Wissen aus erster Hand beziehen.

Die angenommenen Gewohnheiten haben, wie das so ist, einen Augenblick lang gegen die unvorstellbaren Bedingungen angekämpft, die dem Geist jetzt gestellt werden: Der Stolz, der Wert auf persönliche Überprüfung legt, hat die Unmöglichkeit, sie durchzuführen, eine Zeitlang überlebt. … Das Publikum, in die äußerste Defensive gedrängt, hat mit einem Schlag die Waffen gestreckt bei dem Gedanken an den von jetzt an sternenweiten und unüberbrückbaren Unterschied zwischen seiner Sichtweite und dem Wie eines Phänomens und tappt fortan im dunkeln, es hat mit einem Schlag auf seine letzte Kontrollgewalt, auf seien Rolle als Prüfer verzichtet, es hat sich ergeben damit abgefunden, künftig das sagenhaft graue und alltägliche Leben eines Haustiers zu führen und demütig hinzunehmen, was ihm zuteil wird, ohne Erklärungen zu fordern. …. An den äußerst vorsichtigen, heimtückisch-listigen und von Hemmungen erfüllten Reaktionen, die der Durchschnittsleser heute zeigt, wo keine von der Kritik gelieferten Anhaltspunkte vorliegen, spürt man, dass ihm die Bürgschaft der Spezialisten, auf die er sich instinktiv in allen Dingen beruft, sehr fehlt, dass er das Gefühl hat, auf ein Minenfeld geraten zu sein, dass er nicht alle Elemente zur Hand hat.

Quelle: Entdeckungen. Versuche 2, Autor: Julien Gracq

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Loriot Weihnachten bei Familie Hoppenstedt

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Sören Kierkegaard – Was es heißt, ein Selbst zu sein (Radio Feature)

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Einige interessante Beiträge der letzten Zeit aus Philosophie und Wissenschaft #37

Von Ralf Keuper

Erneut eine kurze Aufstellung von Beiträgen aus den Bereichen Philosophie und Wissenschaft, die mir in den vergangenen Tagen/Wochen aufgefallen sind:

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Betrug statt Wissenschaft – Wenn Forscher schummeln | Quarks

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Weil die kulturellen Kompetenzen innerhalb von sozialen Feldern erworben werden … (Pierre Bourdieu)

Weil die kulturellen Kompetenzen innerhalb von sozialen Feldern erworben werden, die zugleich als Märkte fungieren und ihnen einen Preis zuteilen, bleiben sie abhängig von diesem Markt; deswegen geht es bei allen Auseinandersetzungen über kulturelle und Bildungsfragen darum, den Absolventen einer bestimmten Klasse von Erwerbsbedingungen (d.h. eines bestimmtes Marktes), deren Herkunft an einem “Stil” ablesbar ist, den profitabelsten Markt zu eröffnen. In diesem Sinne könnte es sich bei dem, was heute “Gegenkultur” heisst, um das Resultat der Bemühungen von neuartigen Autodidakten handeln, sich von den Gesetzen des schulischen Marktes (denen sich die Autodidakten alten Schlages, weniger selbstsicher, weiterhin unterwerfen, nicht ohne doch deren Folgen im voraus zu verdammen) in der Weise zu befreien, dass sie einen Markt mit eigenen Sanktionierungsinstanzen schaffen, der ganz wie der mondäne und der intellektuelle Markt fähig wäre, die Schulinstitution praktisch infrage zu stellen, wenn sie sich anmaßt, den Markt der Kulturgüter vollkommen zu vereinheitlichen und hier die Kriterien durchzusetzen, nach denen Kompetenzen und Verhalten in der Schule oder jedenfalls in den “verschuldetsten” Sektoren des Bildungsmarktes bewertet werden.

Quelle: Die feinen Unterschiede

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Delacroix and the Rise of Modern Art: Julian Bell at the National Gallery

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