Das Angezogensein vom rein Mechanischen (Erich Fromm)

Ein Symptom für dieses Angezogensein vom rein Mechanischen ist auch die bei gewissen Wissenschaftlern und auch in der Öffentlichkeit zunehmende Popularität der Idee, dass es möglich sein wird, Computer zu bauen, die sich in ihrem Denken und Fühlen und auch in allen anderen Funktionen nicht mehr vom Menschen unterscheiden.

Meiner Ansicht nach ist das Hauptproblem nicht darin zu suchen, dass man einen solchen Computer-Menschen tatsächlich konstruieren könnte, sondern ich frage mich, aus welchen Gründen diese Idee in einer historischen Epoche so populär ist, in der doch nichts wichtiger scheint, als dass der Mensch, so wie er heute existiert, in ein vernünftigeres, harmonischeres und friedfertigeres Wesen umgewandelt wird. Man wird den Verdacht nicht los, diese Anziehungskraft der Vorstellung vom Computer-Menschen sei Ausdruck einer Flucht vor dem Leben und vor den menschlichen Erfahrungen in ein mechanisches, rein verstandesmäßiges Erleben. …

Der Computer kann uns in vieler Hinsicht im Leben nützlich sein. Aber der Gedanke, dass er den Menschen und das Leben ersetzen könnte, ist eine Manifestation der Krankheit unserer Zeit. … Es scheint der Traum vieler Menschen zu sein, die Gefühle eines Primaten mit einem computerähnlichen Gehirn zu kombinieren.

Quelle: Die Revolution der Hoffnung. Für eine Humanisierung der Technik

 

Dieser Beitrag wurde unter Einige interessante Beiträge aus Philosophie und Wissenschaft, Technikphilosohie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.