Eine überschätzte Spezies | ARTE

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Ist es besser, nur ein Ding wissen, oder mehrere? (Gotthold Ephraim Lessing)

Ist es besser, nur ein Ding wissen, oder mehrere? Welche Frage! Wenn man nun unter diesen mehreren auch dieses Eine weiß. Es kann überflüssig sein, mehrere zu wissen: aber es wird darum nicht besser, nur Eins zu wissen.

Freilich, wenn es ausgemacht ist, dass man mehrere Dinge unmöglich so gründlich, so fertig wisse kann, als ein Einziges, dem man alle seine Zeit, alle seine Kräfte gewidmet hat. Wenn es ausgemacht ist! Ist das denn aber so ausgemacht, als man annimmt?

Und doch gesetzt, es wäre. Auch alsdann frägt es sich noch, ob es besser sei, nur Ein Ding vollkommen gründlich, vollkommen fertig zu wissen, als mehrere, weniger gründlich, weniger fertig.

Besser? Ja und Nein, Denn besser ist ein Beziehungswort, und der Beziehungen sind  wenigstens hier drei. Es kann besser sein in der einen, und schlimmer in der andern

Für wen besser? Für den Menschen selbst, der da weiß? – oder für das, was er weiß? – oder für die, denen zum besten er wissen soll?

Quelle: Freimaurergespräche und andere ausgewählte Schriften

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Der Club der toten Dichter – Schwimmt gegen den Strom!

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Zwischen Himmel und Höhle. Zur Philosophie von Hans Blumenberg

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Natur, Erfahrung, Wissenschaft (Leonardo da Vinci)

Es besteht keine Sicherheit in den Wissenschaften, wo nicht eine der mathematischen Wissenschaften angewandt werden kann, oder wenn sie nicht mit der Mathematik verbunden ist.

Wer sich von der Erfahrung erwartet, was nicht in ihr ist, entfernt sich von der Vernunft.

O Erforscher der Dinge, rühme dich nicht, die Dinge zu kennen, welche die Natur für gewöhnlich für sich selbst ausführt, sondern freue dich, wenn du den Zweck der Dinge erkennst, die dein eigener Geist erdacht hat.

Quelle: Leonardo da Vinci. Jede Erkenntnis beginnt mit den Sinnen – Aphorismen, Rätsel, Prophezeiungen

 

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Die Philosophie eines Physikers – Carl Friedrich von Weizsäcker

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Die schweigende Mehrheit (Jean Baudrillard)

Bombardiert mit Stimuli, Botschaften und Tests sind die Massen nur noch eine undurchdringliche, blinde Schicht, ähnlich wie die Gasbildungen auf den Sternen, die man nur dank der Analyse ihres Lichtspektrums kennt, – eines Spektrums von Strahlen, das den Statistiken und Sondierungen äquivalent ist -, aber genau das ist es ja: Es kann sich gar nicht mehr um einen Ausdruck oder eine Repräsentation handeln, sondern allenfalls noch um eine Simulation eines auf immer umausdrücklichen und unausgedrückten Sozialen. Das ist der Sinn ihres Schweigens. Dieses Schweigen, das nicht spricht, es ist ein Schweigen, das verbietet, in seinem Namen zu sprechen. Und in diesem Sinne ist es auch alles andere als eine Form der Entfremdung; es ist eine absolute Waffe.

Niemand kann behaupten, er repräsentiere die schweigende Mehrheit: Das ist ihre Rache. Die Massen sind keine Instanz, auf die man sich berufen könnte wie einst auf die Klasse oder das Volk. Zurückgezogen in ihr Schweigen, sind sie kein Subjekt (vor allem kein Subjekt der Geschichte) mehr, folglich können sie auch die politische “Spiegelstufe” und den Zyklus der imaginären Repräsentation nicht mehr durchlaufen. Allmählich wird sichtbar, welche Macht daraus resultiert: Da die Massen kein Subjekt mehr sind, können sie auch nicht mehr entfremdet sein – weder in ihrer eigenen Sprache (sie haben keine eigene) noch in irgendeiner anderen, die vorgibt, in ihrem Namen zu sprechen. Das ist das Ende der revolutionären Hoffnungen. Denn diese haben immer auf die Möglichkeit spekuliert, die Masse könnte sich genau wie die Arbeiterklasse als solche selbst aufheben.

Quelle: Die schweigende Mehrheit, in: Freibeuter, Februar 1999

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Der Poet setzt das schöpferische Wirken der Natur im Bereich des menschlichen Geistes fort (Hans Zender)

Der Poet setzt das schöpferische Wirken der Natur im Bereich des menschlichen Geistes fort; er ist Stimme der Natur, er “übersetzt” für seine Zeit das, was die Natur uns mitteilen will, in die Zeichen seiner Kunst. Der Poet ist “ohne Absicht”, er “will” nicht etwas (“Wahres – Schönes – Gutes”) schaffen, er folgt den unerbittlichen Weisungen seines eigenen Innern. Alles Dinghafte, Konkrete, als “real” Definierte kann für ihn nur Material sein.

Der Spezialist dagegen ist entweder eine Art Kunsthandwerker, der reflexionslos seiner Tätigkeit nachgeht, oder er ist ein Repräsentant bestimmter gesellschaftlicher Kräfte, von denen er sich gefangen nehmen lässt. Unsere heutige Öffentlichkeit kann fast nur noch solche Halbkünstler wahrnehmen, sei es wegen ihrer Unterhaltungsfunktion, sei es weil sie sich aufklärenden, emanzipatorischen oder sonst positiv besetzten Strömungen zuordnen lassen. Halbkünstler machen schneller und besser Karriere, geben den Ton an, sind leicht zu interpretieren – ganz im Gegensatz zu den Poeten, die niemals komplett analysierbar sind. Für manchen ist die Figur des Poeten geradezu ärgerlich geworden; er erklärt ihn dann zu einem Relikt vergangener Zeiten. Hier findet die endgültige Kapitulation vor dem Spezialistentum statt; die Kultur ist dann .. zum Journalismus heruntergekommen.

Gerade unter den jungen Künstlern wächst die Einsicht, dass wir in unserer immer mehr sich verzweigenden Kultur neue Mechanismen entwickeln müssen, die hier gegensteuern können. Das ist extrem schwierig, denn jede reduzierende Verallgemeinerung führt in die Irre. Nichts darf darf geopfert werden von der großen Menge der Einzelerkenntnisse und der berechtigten Anliegen der Spezialisten. Eine Zusammenfassung zwingt uns zu einer Dimension des Denkens, die von ungeahnter Komplexität ist. Das “Poetische” erscheint jetzt keineswegs als etwas Irrationales, sondern im Gegenteil als etwas “Hyperrationales”: als die zentripetale, konzeptionelle Kraft der Kultur, die auseinanderdriftenden Energien wieder zu bündeln.

Quelle: Gebrauch der Sinne. Was wird aus Künstlern und Poeten im neuen Jahrtausend?, Autor: Hans Zender, in: Frankfurter Rundschau 1. Oktober 1999

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Raimund Pretzel “Sebastian Haffner”: Anmerkungen zu Hitler im Sonntagsgespräch mit Guido Knopp

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Politischer Umgang zur Lebensform gemacht, lässt hinter seinem Schleier mögliche Existenz verschwinden (Karl Jaspers)

Jeder Mensch tritt in politischen Umgang, der nicht nur die Form der Staatsaktionen, sondern Situation für alles Menschendasein ist. Wie der Umgang im privaten Verkehr der Interessen und im Großen sich zeigt, das erhellt sich gegenseitig.

Würde die Form politischen Umgangs die allein herrschende, so wäre die Möglichkeit existentieller Kommunikation vernichtet. Existenz berührt Existenz erst, wo der Verkehr der Menschen als Kampf der um ihr Dasein gegeneinander kämpfenden Feinde durchbrochen wird. Aber die Verabsolutierung der Formen des politischen Umgangs bis in die Kleinigkeiten des Alltags, ja bis zum Umgang mit sich selbst ist die Verführung, ein Zusammenleben in relativer Ruhe zu ermöglichen, in dem nichts offen zu wirklicher Entscheidung gebracht wird. Die Entscheidungen sind dann hinterrücks die stillen Vorgänge, in denen sich nicht mehr Existenz mit Existenz berührt. Politischer Umgang zur Lebensform gemacht, lässt hinter seinem Schleier mögliche Existenz verschwinden. Es bleiben die vitalen Daseinsantriebe unter der Decke des beruhigten und geordneten Daseins. Jeder gilt auf Gegenseitigkeit, nicht als er selbst. Es gibt keine Verehrung und Liebe, sondern nur die Form der geordneten, objektiven Macht- und Rangverhältnisse. Im Grunde herrscht Selbstverachtung und im Geheimen Verachtung aller Anderen. Respekt besteht nur vor Macht, Geltung in öffentlicher Meinung, vor Geld und Erfolg. Empörung bricht aus, wo die Ruhe der gegenseitigen Täuschung in der allgemeinen Befriedigung gestört wird, wo jemand sagt, was ist, und die Dinge bei ihren unheiligen Namen nennt.

Quelle: Existenzerhellung

 

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