Politischer Umgang zur Lebensform gemacht, lässt hinter seinem Schleier mögliche Existenz verschwinden (Karl Jaspers)

Jeder Mensch tritt in politischen Umgang, der nicht nur die Form der Staatsaktionen, sondern Situation für alles Menschendasein ist. Wie der Umgang im privaten Verkehr der Interessen und im Großen sich zeigt, das erhellt sich gegenseitig.

Würde die Form politischen Umgangs die allein herrschende, so wäre die Möglichkeit existentieller Kommunikation vernichtet. Existenz berührt Existenz erst, wo der Verkehr der Menschen als Kampf der um ihr Dasein gegeneinander kämpfenden Feinde durchbrochen wird. Aber die Verabsolutierung der Formen des politischen Umgangs bis in die Kleinigkeiten des Alltags, ja bis zum Umgang mit sich selbst ist die Verführung, ein Zusammenleben in relativer Ruhe zu ermöglichen, in dem nichts offen zu wirklicher Entscheidung gebracht wird. Die Entscheidungen sind dann hinterrücks die stillen Vorgänge, in denen sich nicht mehr Existenz mit Existenz berührt. Politischer Umgang zur Lebensform gemacht, lässt hinter seinem Schleier mögliche Existenz verschwinden. Es bleiben die vitalen Daseinsantriebe unter der Decke des beruhigten und geordneten Daseins. Jeder gilt auf Gegenseitigkeit, nicht als er selbst. Es gibt keine Verehrung und Liebe, sondern nur die Form der geordneten, objektiven Macht- und Rangverhältnisse. Im Grunde herrscht Selbstverachtung und im Geheimen Verachtung aller Anderen. Respekt besteht nur vor Macht, Geltung in öffentlicher Meinung, vor Geld und Erfolg. Empörung bricht aus, wo die Ruhe der gegenseitigen Täuschung in der allgemeinen Befriedigung gestört wird, wo jemand sagt, was ist, und die Dinge bei ihren unheiligen Namen nennt.

Quelle: Existenzerhellung

 

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LTI – Die Sprache des Dritten Reiches Victor Klemperer

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Ereigniszeit und Uhrzeit

Heute ist es die Regel, dass nicht gemessen wird, wie lange ein Ereignis wirklich dauert, sondern dass die Dauer dem Ereignis selbst vorgegeben wird. Es wird nicht gesagt: Diese Arbeit soll getan werden, und wenn sie fertig ist, kann man im Nachhinein messen, wie lange sie gedauert hat (Das wäre Ereigniszeit). Es wird vielmehr gesagt, die Arbeit soll in zwei Stunden fertig sein, wobei jedoch offenbleibt, ob diese Arbeit wirklich in den zwei Stunden abzuschließen ist oder ob nicht eher vier Stunden dafür benötigt werden. Wenn sie dennoch in zwei Stunden abgeschlossen werden muss, entsteht Stress, kreative Alternativen können nicht mehr ausprobiert werden, nötige Informationen waren nicht eingeholt und auch Pausen können nicht mehr gemacht werden. Vielleicht wird die Arbeit auf diese Weise wirklich in zwei Stunden fertig, doch die Qualität dieser Arbeit und das Ergebnis lassen wahrscheinlich zu wünschen übrig. Im Umgang mit der Natur und anderen Lebewesen gilt dasselbe: Früher wurde ein Schwein geschlachtet, wenn es zwei Zentner wog. Das konnte je nach Rahmenbedingungen nach einem Jahr oder nach eineinhalb Jahren der Fall sein. Das war Ereigniszeit. Heute wird dem Schwein vorgeschrieben, in fünf Monaten zwei Zentner zu wiegen. Das Schwein wird gedopt, mit Hormonen gespritzt und an der freien Bewegung gehindert, damit das Ereignis innerhalb der vorgeschriebenen Zeit stattfindet.

Quelle: Zeit als Lebenskunst, Autor: Olaf Georg Klein

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Hans Jonas – Verantwortung neu denken

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Humanismus: Erziehung zur Freiheit oder Optimierung des Menschen?

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Berufung aufs Heile verstärkt unmittelbar das Unheil (Theodor W. Adorno)

Keine Dialektik des Fortschritts genügt, einen geistigen Zustand zu legitimieren, der nur darum sich für heil hält, weil noch nicht in seine Winkel drang, wozu die Objektivität sich entfaltete, in die auch er selber verflochten ist, und die dafür sorgt, dass Berufung aufs Heile unmittelbar das Unheil verstärkt.

Quelle: Theodor Adorno, in: Eingriffe. Neun kritische Modelle

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Einige Beiträge zur Künstlichen Intelligenz abseits vom Mainstream

Von Ralf Keuper

Der Grundtenor der Berichterstattung über die Künstliche Intelligenz ist, dass wir nun endgültig vor einem Durchbruch stehen, ein weiterer “AI Winter” daher nicht mehr zu erwarten sei. Kurzum: Die KI wird massentauglich.

Da gehen Beiträge, die ein anderes Licht auf die aktuelle Situation werfen, unter. Aus diesem Grund hier nun einige Beiträge abseits vom Mainstream, was nicht bedeutet, dass die Autoren die KI ablehnen oder die erzielten Fortschritte in Abrede stellen:

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KI als Denkmodell (Markus Gabriel)

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Warnt vor Künstlicher Intelligenz | Physiker Christoph von der Malsburg | SWR1 Leute

Weitere Informationen:

Was macht uns künftig noch einzigartig?

Künstliche Intelligenz: Wie wir das Gehirn verstehen können

Das Märchen vom Gehirn als Computer

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Wissenschaft auf Abwegen? Theoriebildung unter sozialem Druck

Weitere Informationen:

Sabine Hossenfelder: „Das hässliche Universum“Gegen die schöne Wissenschaft

Ist das Universum hässlich? Die Suche nach Schönheit eine Sackgasse der Physik? Physikerin Sabine Hossenfelder beschäftigt sich in ihrem Buch mit beidem. Daniel Finkernagel im Samstagsgespräch mit Sabine Hossenfelder.

Backreaction

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