Lob der Redundanz

Von Ralf Keuper

Redundanz hat in einer auf Effizienz getrimmten Gesellschaft und Wirtschaft den Rang eines – bestenfalls – nötigen Übels. Dabei ist die Stabilität sozialer, technischer, ökologischer und wirtschaftlicher Systeme auf Redundanz angewiesen.

Die Sicht des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)1)Redundanz Modularität Skalierbarkeit:

Das bewährteste und bekannteste Mittel zur Sicherstellung der Verfügbarkeit technischer Einrichtungen ist die Redundanz. Im einfachsten Fall ist damit gemeint, dass einem erforderlichen System ein weiteres zur Seite gestellt wird, das bei Ausfall des ersten Systems dessen Funktion übernimmt.

In einem solchen Fall werden somit zwei Systeme vorgehalten, obwohl für den normalen Betrieb ein System reichen würde. Allein dieses einfache Modell zeigt neben dem Nutzen der verbesserten Verfügbarkeit zugleich den Nachteil von Redundanz auf: Redundanz ist unausweichlich mit der Bereitstellung von Überkapazität verbunden.

Der Anthropologe und Evolutionstheoretiker Gregory Bateson:

.. Redundanz ist zweifellos in biologischen Systemen eher die Regel als die Ausnahme, und das gilt auch für alle anderen Systeme der Organisation, Differenzierung und Kommunikation. In all diesen Systemen ist Redundanz eine wichtige und notwendige Quelle von Stabilität, Voraussagbarkeit und Integration2)Ökologie des Geistes.

Aus Sicht der Regionalentwicklung:

Das wirksamste evolutorische Gegengift gegen diese Gefahr einer kontinuierlichen Perfektionierung von Unzulänglichkeiten ist der Verzicht auf Maximaleffizienz und Optimalität: Durch die Tolerierung unterschiedlicher (nicht-optimaler) Entwicklungspfade erhöht er die Varianz von Entwicklungsoptionen und erweitert damit sozusagen den genetischen Pool für die Entwicklung neuer Lösungen (Fisher 1930; Mayr 1980). Das Nebeneinander dieser nicht-optimalen Pfade ist der »primary proof that evolution has occurred, since optimal designs erase all signposts of history« (Gould 1987: 14). In diesem Sinne wird Entwicklung nicht durch einen von Knappheit oktroyierten (geradlinigen) »one best way« vorangetrieben als vielmehr durch eine »verschwenderische« Produktion von (kurvenreichen) Entwicklungspfaden, die Optionen offenhalten3)Lob der Verschwendung Redundanz in der Regionalentwicklung: Ein sozioökonomisches Plädoyer.

Und weiterhin: Resilienz, Raum und Steuerung

Frerenc Biedermann plädiert für die Einführung des Begriffs der “Intentionalen Redundanz”4)Intentionale Redundanz – Plädoyer für einen Begriff.

Im Falle natürlicher Systeme sind Redundanzen das unbewusste Resultat evolutionärer Auslese. (Systeme, die ihr Bestehen nicht mittels Redundanzen absicherten, sind früher oder später wieder verschwunden.) Der Mensch als vernunftbegabtes Wesen ist jedoch in der Lage, die Vorteile von Redundanz zu erkennen und diese im Alltag und in seinen Schöpfungen gezielt einzusetzen. In diesem Fall kann man von “intentionaler Redundanz” sprechen. Intentionale Redundanz findet sich beispielsweise in Raumfahrzeugen, wo mehrere identische Bordcomputer vorhanden sind für den Fall, dass einer davon ausfällt. Ein weiteres Beispiel sind Notstromaggregate, mit denen sich unter anderem Krankenhäuser gegen die Gefahr eines Stromausfalls wappnen.

In der Betriebswirtschaftslehre werden die Vor- und Nachteile der Redundanz unter dem Begriff “Organizational Slack”5)Das Management des Organizational Slack behandelt. Redundanz kann durchaus zu Innovation führen; muss es aber nicht zwangsläufig6)Innovationsmanagement: Kann Organizational Slack zur Innovation führen?.

Alles in allem: Redundanz ist bei näherer Betrachtung besser als ihr Ruf.

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Bertelsmann-Stiftung wegen Krankenhaus-Studie erneut in der Kritik

Von Ralf Keuper

Als die Bertelsmann-Stiftung im vergangenen Jahr eine Studie veröffentlichte, in der die Schließung jedes zweiten Krankenhauses in Deutschland empfohlen wurde, war das Echo schon damals geteilt. Der Vorsitzende der Ärztevereinigung Marburger Bund wandte dagegen ein, Krankenhäuser seien keine Profitcenter1)Scharfe Kritik an Studie zu Krankenhaus-Schließungen. Die Autoren der Studie wiesen darauf hin, dass größere Krankenhäuser mit besserer Ausstattung und erfahrenden Ärzten bessere Leistungen erbringen, als das heute weitgehend der Fall sei. Dem hielten die Kritiker entgegen, dass auf dem Land schon heute an vielen Stellen eine Unterversorgung mit Krankenhausbetten gegeben sei.

Mit Blick auf die aktuelle Corona-Krise hätte die Befolgung der Ratschläge der Bertelsmann-Stiftung nach Ansicht vieler verheerende Konsequenzen gehabt. Die von der Bertelsmann-Stiftung geforderte Konzentration auf große Krankenhäuser würde die Probleme nicht lösen, ja sie sogar noch verschärfen2)Corona-Seuche und Krankenhäuser-Zerstörung:

Ein Supergau für die Propaganda-Schimäre “Großkrankenhaus” war der vor einem Jahrzehnt die bayerische Landeshauptstadt erschütternde Hygiene-Skandal des Städtischen Klinikkonzerns. U.a. zeigte es sich, dass unter der Verantwortung des von den Grünen gestellten Dritten Bürgermeisters zwar die Wirtschaftlichkeit des Klinikenbetriebes forciert wurde, damit aber auch beinahe unglaubliche Hygiene-Defizite bewirkt wurden: U.a. kam outgesourct “gereinigtes” OP-Besteck Immer noch verschmutzt in die OP’s zurück. Im Internet findet sich eine reichhaltige Sammlung von Medienberichten zum “Münchner Klinik-Skandal”.

Die Bertelsmann-Stiftung war in der Vergangenheit häufig Gegenstand der Kritik. Vor allem ihre maßgebliche Mitwirkung bei der Einführung von Hartz IV sorgt immer wieder für Unmut3)Wie eine Stiftung Politik macht. Es entsteht zuweilen der Eindruck, als würde hier Firmenwohl mit Gemeinwohl verwechselt, weshalb die Rufe nach einer Aberkennung der Gemeinnützigkeit der Bertelsmann-Stiftung nicht leiser werden.

Im Gespräch mit der Neuen Westfälischen verteidigte die Bertelsmann-Stiftung vor wenigen Tagen ihre Studie vom vergangenen Jahr4)Bertelsmann verteidigt umstrittene Studie.  In Zeiten von Corona, so ein Sprecher der Stiftung, sollten die Krankenhäuser “von ambulant erbringbaren Leistungen entlastet werden. Die bloße Zahl an Betten und Beatmungsgeräten sei “nicht entscheidend”.

Damit reagierte die Stiftung auf die Äußerung des gesundheitspolitischen Sprechers der SPD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag, Josef Neumann. Dieser hatte gesagt: “Wäre NRW dem Vorschlag der Bertelsmann-Stiftung gefolgt, wären die Kliniken jetzt überrannt worden”. Bertelsmann gehe es in erster Linie um Effizienzsteigerung und die Ökonomisierung des Gesundheitswesens. Große Krankenhäuser würden zu einer großen Arbeitsverdichtung führen, worunter die Qualität leide.

Widerstand gegen die reine Ökonomisierung der Gesundheitsversorgung und die damit verbundenen sozialen Kosten regt sich seit Jahren5)Die sozialen Kosten der Ökonomisierung von Gesundheit.

Die Bertelsmann-Stiftung argumentiert in Richtung Zentralisierung. In Gütersloh scheint noch nicht aufgefallen zu sein, dass der Trend in Europa bzw. im Internet (z.B. Blockchain, GAIA-X) in Richtung Dezentralisierung geht, d.h. die Verteilung der Kapazitäten auf mehrere Knoten, um zu verhindern, dass der Ausfall eines Knotens das Gesamtsystem  gefährdet. Die Lernkurven- und Skaleneffekte, d.h. die Größenvorteile großer Organisationen, sind nicht unbegrenzt; sie kehren sich irgendwann ins Gegenteil (Systemrisiko). Ein Umsteuern ist dann kaum noch möglich, da die Abhängigkeit von der mitgewachsenen Mono-Infrastruktur zu groß geworden ist. In Zeiten, in denen es verstärkt um Resilienz gehen muss (Stichwort: Schwarzer Schwan), ist Zentralisierung kontraproduktiv und Zeichen eines veralteten, eindimensionalen Denkstils.

Weitere Informationen:

Bertelsmann und Co.: Was ist los im Gesundheitssystem? | Die Anstalt

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Was ist ein gutes Leben?

Gut ist ein Leben, wenn es uns gibt, was wir von einem Leben in möglichst aufgeklärter Weise wollen, was immer es sei, und wenn wir das Glück haben, dass sich das so weit aufgeklärte Wollen mit dem Wollen deckt, das wir hätten, wenn wir alle nötigen Informationen hätten. – Natürlich bleibt es richtig, dass die Menschen verschiedene Dinge vom Leben wollen; und sie würden, einfach, weil sie verschieden sind und in verschiedenen Verhältnissen leben, auch dann verschiedene Dinge vom Leben wollen, wenn sie besser über sich und die Welt Bescheid wüssten. Aus diesem Grunde gibt es nicht nur ein Kriterium (oder ein Kriterienbündel) für das Gutsein eines Lebens, es gibt verschiedene. Das unterschiedliche Wollen der Menschen kreiert verschiedene Kriterien, so dass ohne Zweifel verschiedene Weisen zu leben, gut sind.

Quelle: Was es heisst, ein gutes Leben zu führen, Autor: Peter Stemmer, in: Was ist ein gutes Leben? Philosophische Reflexionen. Herausgegeben von Holmer Steinfarth

 

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Durkheims individualistische Theorie der sozialen Arbeitsteilung

In Durkheims Frühwerk Über soziale Arbeitsteilung lässt sich der Ansatz zu einer individualistischen Theorie von Moral und sozialer Solidarität erkennen, die sich grundsätzlich von den Theorien unterscheidet, die Durkheim in seinen späteren Werken entwickeln sollte. In der Arbeitsteilung versucht Durkheim, die Entstehung von moralischen Normen und der Motivation zu einem solidarischen Handeln aus der Natur der sozialen Beziehungen zu erklären, die Individuen in arbeitsteiligen Gesellschaften eingehen. Dabei zeigt sich Durkheim nicht nur als “versteckter” methologischer Individualist. Er erweist sich auch als ein Vertreter der optimistischen Sichtweise, die der modernen Gesellschaft zutraut, aus eigener Kraft die für ihren Bestand notwendige Moral und Solidarität sicherzustellen. Durkheims spätere anti-individualistische Wende hat so auch die Folge, dass er sich in die Reihe derjenigen eingliedert, die mit der modernen Gesellschaft eher eine moralische Krise als einen moralischen Aufbruch verbinden. In dem Aufsatz wird Durkheims individualistischer Ansatz in der Arbeitsteilung rekonstruiert und der Frage nachgegangen, ob dieser Ansatz vielleicht tragfähiger war, als Durkheim selber im Nachhinein geglaubt hat.

Quelle / Link: Durkheims individualistische Theorie der sozialen Arbeitsteilung

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Der Bevölkerung ein neues, der gesellschaftlichen Dimension aufgeschlossenes Zukunftsbewusstsein vermitteln (Alvin Toffler)

In einer Welt, die sich immer schneller ändert, liegt uns das nächste Jahr näher als in einer beschaulichen Ära der nächste Monat. Diese radikal veränderte Lebenstatsache muss von den Menschen, die in der Industrie, in der Regierung und Verwaltung Entscheidungen fällen, berücksichtigt werden. Sie müssen ihren Zeithorizont erweitern.

Für die entferntere Zukunft zu planen, bedeutet nicht, sich an dogmatische Programme zu binden. Pläne können provisorisch, elastisch und ständiger Revision unterworfen sein. Flexibilität heisst aber nicht Kurzsichtigkeit. Damit wir die Technokratie hinter uns lassen, müssen unsere gesellschaftsbezogenen Zeithorizonte Jahrzehnte, ja Generationen in die Zukunft erstrecken. Das verlangt mehr als eine Verlängerung der formellen Planung. Es bedeutet, dass der gesamten Bevölkerung ein neues, der gesellschaftlichen Dimension aufgeschlossenes Zukunftsbewusstsein vermittelt werden muss.

Quelle: Der Zukunftsschock

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Corona aus Sicht der Sozialwissenschaften

Von Ralf Keuper

Anbei eine Aufstellung von Beiträgen aus den Sozialwissenschaften, die sich mit den Auswirkungen von Corona auf die Gesellschaft beschäftigen:

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Corona ökonomisch betrachtet

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Aktuelle Beiträge der Katastrophen- und Krisenforschung

Von Ralf Keuper

Die erste Katastrophenforschungsstelle in Deutschland wurde 1987 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gegründet. Ihr Initiator war Lars Clausen, der die Kastastrophensoziologie begründete. Mittlerweile residiert die Katastrophenforschungsstelle an der Freien Universität Berlin.

Zum Forschungsverständnis der KFS:

Katastrophen müssen nach dem Selbstverständnis der KFS in ihren kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen verstanden werden. Bspw. werden Extremwetterlagen erst im Zusammentreffen mit gesellschaftlichen und kulturellen Einrichtungen und Verhaltensweisen zu Risiken.

In den letzten Tagen hat der Krisenforscher Frank Rosslieb vom Institut für Krisenforschung in Kiel bei mehreren Gelegenheiten in den Medien seine Einschätzung zur aktuellen Corona-Krise abgegeben:

Weitere Informationen:

Die Krise als Beruf

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Krisen und Katastrophen: Kein Thema für Niklas Luhmann?

Wenn man den Zettelkasten Niklas Luhmanns zu den Themen „Krise“ und „Katastrophe“ befragt und zu diesem Zweck die 1250 bzw. 3200 Stichworte umfassende Schlagwortregister der beiden Sammlungen konsultiert, so ergibt sich ein eher ernüchternder Befund.

Den Begriff „Krise“ kennen die Register nicht – was hinsichtlich der frühen, eher philosophisch orientierten Sammlung (ca. 1950-1963) schon überrascht, da hier die Husserl-Bezüge mit dem Konzept der Lebenswelt, das in dessen Krisis-Aufsatz entwickelt worden ist, unübersehbar sind. In der zweiten, neueren und genuin soziologischen Sammlung (ca. 1963-1996) werden für „Krisentheorie“ immerhin vier Systemstellen benannt, von denen allerdings nur eine überhaupt einen nennenswerten Umfang erreicht. Diese 43 Zettel umfassende Abteilung „532/14 Krisentheorie“ befindet sich im Kontext des ca. 2000 Zettel umfassenden Themenblocks „532 Soziale Ordnung / Soziales System“, der sich primär mit der Organisation beschäftigt und den Luhmann größtenteils bereits bis Mitte der 1960er Jahre erstellt haben dürfte. Entsprechend wird Krise hier primär als ein Strukturänderungsproblem in Organisationen verstanden, auch wenn der Begriff zunächst an das allgemeine System/Umwelt-Modell, wie es für den damaligen Entwicklungsstand der Luhmannschen Theorie charakteristisch war, angepasst wird:

[Zettel 532/14 / nl-zkII-10- 523_14] „Krisentheorie Krisen sind heikle Situationen in System/Umwelt-Beziehungen, die den Bestand des Systems in Frage stellen. Die Krisenlehre ist, weil sie einen Extremfall behandelt, für Strukturfragen in besonderem Sinne aufschlussreich. Sie ergibt sich in ihrer Problemdarstellung und in ihren Bezugsbegriffen aus der allgemeinen System/Umwelt-Theorie.“

Quelle: Krisen und Katastrophen: Kein Thema für Niklas Luhmann?, in: Sozusagen: Bielefelder Studierendenmagazin der Fakultät für Soziologie, Wintersemester 2012/2013

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Die Offensichtlichkeit der Gefahren stellt den eingefahrenen Verharmlosungs- und Vertuschungsroutinen immer mehr Widerstände entgegen (Ulrich Beck)

Die Offensichtlichkeit der Gefahren stellt den eingefahrenen Verharmlosungs- und Vertuschungsroutinen immer mehr Widerstände entgegen. Die Modernisierungsagenten – in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik – sehen sich in den unbequemen Zustand eines leugnenden Angeklagten versetzt, den die Indizienkette ganz schön ins Schwitzen bringt.

Man könnte sagen: War alles schon mal da. Nichts Neues. Doch die systematischen Unterschiede stechen ebenso ins Auge. Die Unmittelbarkeit persönlich und sozial erlebten Elends steht heute der Ungreifbarkeit von Zivilisationsgefährdungen gegenüber, die erst im verwissenschaftlichen Wissen bewusst werden und nicht direkt auf Primärerfahrungen zu beziehen sind. Es sind die Gefährdungen, die sich der Sprache chemischer Formeln, biologischer Zusammenhänge und medizinisch-diagnostischer Begriffe bedienen. Diese Wissenskonstitution macht sie allerdings nicht weniger gefährlich. Im Gegenteil: einer großen Bevölkerungsgruppe stehen heute, mit oder ohne Absicht, durch Unfall oder Katastrophen, im Frieden oder Krieg  Verheerungen und Zerstörungen ins Haus, vor denen unsere Sprache versagt, unser Vorstellungsvermögen, jegliche medizinische und moralische Kategorie. …

Damals (19. Jahrhundert) war die Betroffenheit vorgegeben mit dem Klassenschicksal. Man war sie hineingeboren. Sie haftete einem an. Zog sich von der Jugend bis ins Alter. Steckte in allem: wo und was man arbeitete, wie und mit wem man lebte, welche Kollegen und Freunde man hatte und wen man fluchte und gegen wen man, wenn es sein musste, auf die Straße ging.

Quelle: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne

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