Es kann keine reine Wahrnehmung und keine reinen Daten geben (Karl R. Popper)

Die klassische Erkenntnistheorie, die unsere Sinneswahrnehmungen als “gegeben” nimmt, als “Daten”, aus denen unsere Theorien durch einen Induktionsvorgang zu konstruieren sind, kann nur als vordarwinistisch gekennzeichnet werden. Sie übersieht, dass die angeblichen Daten in Wirklichkeit Anpassungsreaktionen und daher Interpretationen sind, die Theorien und Vorurteile einschließen und, wie Theorien, mit vermuteten Erwartungen durchsetzt sind; sie übersieht, dass es keine reine Wahrnehmung, keine reinen Daten geben kann; ebensowenig wie es eine reine Beobachtungssprache geben kann, da alle Sprachen von Theorien und Mythen durchsetzt sind. Wie unsere Augen blind gegenüber dem Unvorhergesehenen oder Unerwarteten sind, so sind unsere Sprachen nicht imstande, es zu beschreiben.

Quelle: Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf

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