Durkheims individualistische Theorie der sozialen Arbeitsteilung

In Durkheims Frühwerk Über soziale Arbeitsteilung lässt sich der Ansatz zu einer individualistischen Theorie von Moral und sozialer Solidarität erkennen, die sich grundsätzlich von den Theorien unterscheidet, die Durkheim in seinen späteren Werken entwickeln sollte. In der Arbeitsteilung versucht Durkheim, die Entstehung von moralischen Normen und der Motivation zu einem solidarischen Handeln aus der Natur der sozialen Beziehungen zu erklären, die Individuen in arbeitsteiligen Gesellschaften eingehen. Dabei zeigt sich Durkheim nicht nur als “versteckter” methologischer Individualist. Er erweist sich auch als ein Vertreter der optimistischen Sichtweise, die der modernen Gesellschaft zutraut, aus eigener Kraft die für ihren Bestand notwendige Moral und Solidarität sicherzustellen. Durkheims spätere anti-individualistische Wende hat so auch die Folge, dass er sich in die Reihe derjenigen eingliedert, die mit der modernen Gesellschaft eher eine moralische Krise als einen moralischen Aufbruch verbinden. In dem Aufsatz wird Durkheims individualistischer Ansatz in der Arbeitsteilung rekonstruiert und der Frage nachgegangen, ob dieser Ansatz vielleicht tragfähiger war, als Durkheim selber im Nachhinein geglaubt hat.

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