Der Philosoph Joachim Ritter und die blinden Flecken der Feuilletonisten

Von Ralf Keuper

In den letzten Tagen berichteten verschiedene überregionalen Zeitungen, wie die NZZ und die SZ, über eine Tagung im Deutschen Literaturarchiv Marbach, die sich mit der Aktualität der Philosophie von Joachim Ritter beschäftigte. 
Die Kommentare sparen nicht mit Lob für den Philosophen Ritter und seine Schule, zu der u.a. Odo Marquard und Hermann Lübbe gerechnet werden. Großzügig übersehen wurde dabei die Rolle des Gefeierten während der Zeit des Nationalsozialismus. 

Dazu kann man auf Wikipedia lesen:

Am 11. November 1933 gehörte er zu den Unterzeichnern des Bekenntnisses der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat.[1] 1937 trat er in die NSDAP, die NS-Studentenkampfhilfe, den NS-Lehrerbund und die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt ein.[1] 

Ein nicht ganz unwesentliches „Detail“. 

In Zeiten, in der selbst Unternehmen ihre NS-Vergangenheit aufarbeiten, scheinen die Zünfte der Philosophen und der Feuilletonisten dafür keine Veranlassung zu sehen. Die Zahl der Erasmier unter den Intellektuellen war, wie Ralf Dahrendorf in seinen Buch Versuchungen der Unfreiheit. Die Intellektuellen in Zeiten der Prüfung festgehalten hat, schon immer überschaubar.

Weitere Informationen:

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