Einige Anmerkungen zur Technikphilosophie

Von Ralf Keuper

Das Verhältnis der Philosophen zur Technik ist nach wie vor gespalten. Einer der wortgewaltigsten Technik-Skeptiker war Martin Heidegger.

Im Vergleich dazu fiel das Urteil von Ernst Cassirer über die Technik in seiner bekannten Schrift Form und Technik deutlich moderater aus. Das Werk gilt als eines der wichtigsten der Technikphilosophie. Geradezu von Euphorie gepackt wurde der Schriftsteller Max Eyth, wenn es um die Schilderung der Vorzüge der Technik für das Wohl der Menschheit ging. Genau entgegengesetzte Emotionen lösten Fragen der Technik dagegen bei Ernst Jünger und dessen Bruder Friedrich Georg aus.

Erste Ansätze zu einer Technikphilosophie gab es bereits in der Antike bei Aristoteles und Platon. Als eigenständige Disziplin konnte sie sich jedoch erst nach dem zweiten Weltktrieg etablieren, was  auf die fortschreitende Durchdringung von Wirtschaft und Gesellschaft durch die Technik zurückgeführt werden kann.

Seitdem hat diese noch recht junge Disziplin einige wirkungsmächitge Schriften hervorgebracht, wie Understanding Media von Marshall McLuhan oder die diversen Bücher von Stanislaw Lem.

Auch die Soziologie blieb von Fragen der Technik nicht unberührt. Niklas Luhmann widmete sich in seinen Schriften immer wieder der Technik bzw. der Hochtechnologie wie in seinem Buch Soziologie des Risikos. 

Mittlerweile hat sich mit der Techniksoziologie ein eigener Zweig herausgebildet.

Unter den Werken der Philosophen ragt für mich das Buch Macht und Machbarkeit der Technik von Hans Lenk heraus. Hevorzuheben ist das Kapitel Von der Technokratie zur Systemtechnoktratie.

Darin beschrieb er die Herausforderungen, denen sich die Technikphilosophie zu stellen hat:

Eine vielseitige (multifunktionale) und viele Faktoren berücksichtigende Sozialphilosophie der Technik muss jedoch in Zusammenarbeit mit einer Soziologie der Technik und der Technischen Intelligenz entwickelt werden. Eine Philosophie der Technik .. ohne Soziologie der Technik und der Technischen Intelligenz ohne Berücksichtigung der sozialphilosophischen Aspekte im historischen Kontext bliebe blind.

Im Zeitalter des Interntes haben Publizisten wie Jeff Jarvis oder Evgeny Morozov das Erbe von McLuhan und Lem angetreten.

Die Technik bzw. die Technologie hat mittlerweile Höhen erreicht, die sich unsere Vorfaren, für die technische Hilfsmittel in erster Linie zur Erleichterung schwerer körperlicher Arbeit dienten, nicht vorstellen konnten. Heute scheint sich die Technologie zu verselbständigen und den Menschen zu ihrem Diener zu machen. Eine Befürchtung, die Josè Ortega y Gasset in seinem Essay Betrachtungen über die Technik formulierte:

Die Technik hört auf zu sein, was sie bisher gewesen ist: Manipulation, Handarbeit, und verwandetl sich „sensu stricto“ in Fabrikation. Im Handwerk ist das Werkzeug oder Gerät nur Ergänzung des Menschen. Dieser Mensch mit seinen „natürlichen“ Akten bleibt weiter der Hautpfaktor. In der Maschine hingegen rückt das Werkzeug an erste Stelle, und nun hilft es nicht dem Menschen, sondern umgekehrt: der Mensch ist es, der die Maschine unterstützt und ergänzt. Daher hat diese, indem sie auch sich selbst arbeitet und sich vom Menschen löst, denselben intuitiv erkennen lassen, dass die Technik eine Funktion abseits vom natürlichen Menschen ist, sehr unabhängig von ihm, und dass sie sich nicht an seine natürlichen Grenzen hält. Was der Mensch mit seinen festen animalischen Fähigkeiten tun kann, wissen wir im voraus; sein Horziont ist beschränkt. Aber was Maschinen vermögen, die der Mensch zu erfinden fähig ist, ist prinzipiell unbegrenzt.

Inzwischen greift die Maschine mittels ausgefeilter Algorithmen auch auf das bisher noch unzugängliche Gebiet des Denkens über.

Bruce Mazlish sieht diese Entwicklung in seinem Buch Faustkeil und Elektronenrechner. Die Annäherung von Mensch und Maschine,  dennoch in einem günstigen Licht.

Wie auch immer man zur Technik stehen mag, beginnt die Technik sich dann gegen den Menschen zu richten, wenn sie zum Selbstzweck wird.

Dazu Ernst Cassirer in Form und Technik:

In diesem Aufbau des Reiches des Willens und der Grundgesinnung, auf der alle sittliche Gemeinshaft ruht, kann die Technik immer nur Dienerin, nicht Führerin sein. Sie kann die Ziele nicht von sich aus stellen, wenngleich sie in ihrer Verrichtung mitarbeiten kann und soll: sie versteht ihren eigenen Sinn und ihr eigenes Telos am besten, wenn sie sich dahin bescheidet, dass sie niemals Selbstzweck sein kann, sondern sich einem andern >Reich der Zwecke<, dass sie sich jener echten und endgülitgen Teleologie einzuordnen hat, die Kant als Ethiko-Teleologie bezeichnet. In diesem Sinne bildet die >Entmaterialisierung<, die Ethisierung der Technik eines der Zentralprobleme unserer gegenwärtigen Kultur.

Weitere Informationen:

Wir als Komplizen unserer eigenen Gehirnwäsche. Das Internet führt ein nicht durchschaubares Eigenleben

Philosophie und Technik – Schraubst du noch oder denkst du schon?

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