Nikolaus von Kues – Die philosophische Hintertreppe

Von Ralf Keuper

Nikolaus von Kues war zeitlebens stolz darauf, als einfacher Fischersohn die höchsten kirchlichen Weihen erlangt zu haben, wie es u.a. in dem hörenswerten Beitrag Nikolaus von Kues – Die philosophische Hintertreppe heisst.

Dabei deutete sein Weg zunächst in eine andere Richtung. Von Kues beschloss Rechtswissenschaften,  zuerst in Heidelberg und danach in Padua zu studieren. Anschließend ließ er sich als Rechtsanwalt nieder. Gleich seinen ersten Prozess verlor er. Fortan ließ er die Hände von der Juristerei und wendete sich dem geistlichen Stand zu. Er wurde mit einer Pfarrei des Bistums Trier betraut. Weitere Pfründe sollten folgen. Wichtiger Karriereschritt war die Einladung zum Konzil von Basel. Dort verteidigte er die Position des Konzils gegen den Papst.

Danach jedoch wandelt er sich als Verfasser des Buches Über die katholische Eintracht in einen der eifrigsten Parteigänger des Papstes. Von Kues wurde mit diplomatischen Aufgaben betraut, bei denen er sich durch großes Verhandlungsgeschick auszeichnete. Die Kirchenpolitik wurde eines seiner Hauptbetätigungsfelder. Von großer Bedeutung war dabei die Aussöhnung mit den Ostkirchen. Auf der Rückreise von Konstantinopel machte von Kues angesichts der Weite des Meeres seinen eigenen Worten nach seine entscheidende theologische/philosophische Entdeckung. Das Meer als Sinnbild der Unendlichkeit führte ihn zu der Erkenntnis bzw. Überzeugung, dass die Einheit Vorrang vor aller Zersplitterung hat – und das auf allen Gebieten der Wirklichkeit. Die Einheit liegt letztlich im Unendlichen und damit in Gott.

Eine weitere wichtige Aufgabe war die Reform der Kirche in Deutschland. Dort hatte sich vor allem in den Klöstern ein Übermaß an Aberglauben und ein Sittenverfall breit gemacht. Entschlossen griff Nikolaus von Kues durch. Daraufhin wurde er zum Bischof von Brixen ernannt. Nächste Station war Rom, wo von Kues der Verweser des Papsttums wurde, solange der Papst abwesend war.

Trotz seiner Ämter verfasste von Kues eine große Anzahl philosophischer und theologischer Schriften. Dabei beschäftigten ihn, der auch Mathematiker und Astronom war, das Problem der Unendlichkeit. Als Mann des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit vertrat er bereits die Lehre von der Bewegung der Erde.

Unablässig stellte er sich die Frage, was Gott sei und wie er erfasst werden kann. Gott ist nur für Augenblicke be- bzw. ergreifbar. Die Unendlichkeit ist für ein endliches Denken letztlich unbegreiflich. Gott als absolute Unendlichkeit und Einheit duldet nichts Endliches neben sich – obwohl es die endliche Welt gibt. Gott ist demnach der Zusammenhang aller Gegensätze, ja Gott steht über dem Zusammenhang des Widersprüchlichen.

Von Kues sucht zeitlebens nach einer neuen Bezeichnung für das Wesen Gottes und bringt es auf die Formel: Gott als das Können ist.

Dabei verliert er jedoch die Welt aus dem Blick, die nur eine Ausfaltung ist. Gotteserkenntnis kann nicht durch den Verstand gelingen, da dieser in Gegensätzen denkt. Wenn wir Gott aber nicht durch das Wissen begreifen oder ergreifen können, dann im Nichtwissen. Das Nichtwissen ergreifen als wissendes Nichtwissen.

Der Mensch kann sich Gott in der Sehnsucht nähern. Es besteht ein unablässiges Sehnen aller nach dem Einen. Die Sehnsucht ist eine Richtung auf Gott zu. Von Kues verweist dabei auch auf das mystische reine Schauen. Wir verfügen über ein geistiges Sehen, welches in das schaut, was früher ist als alle Erkenntnis. Gott ist aber für jede Art der Schau unzugänglich. Wenn alle menschliche Initiative versagt, kommt es auf die initiative Gottes an.

Damit landet von Kues, allen philosophischen Exkursen zum Trotz, letztendlich dann doch bei der Offenbahrungsreligion.

Im vergangenen Jahrhundert hat sich vor allem Raymond Klibansky intensiv mit dem Werk von Nikolaus von Kues beschäftigt.

Weitere Informationen:

Marko Brösch / Walter Andreas Euler / Alexandra Geissler (Hgg.): Handbuch Nikolaus von Kues

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