Flüchtige Zeiten: Leben in der Ungewissheit (Zygmunt Bauman)

Für den britisch-polnischen Soziologen Zygmunt Baumann sind wir in unserem Zeitalter dazu verdammt, permanent Dinge und Verhältnisse zu verändern, was dazu führt, dass wir unser Ziel nie erreichen, wie er u.a. in einem Vortrag in Karlsruhe sagte. Unsere Gesellschaft charakterisiert er daher als liquid, d.h. ständig im Fluss und Wandel begriffen. Daraus folgert er weiterhin, dass wir in einem Interregnum, einem Zwischenstadium leben. In dieser Phase passen die alten Lösungen nicht mehr zu den aktuellen Herausforderungen. Für deren Bewältigung stehen jedoch noch keine neuen Verfahren und Techniken zur Verfügung. Lautete die Frage in früheren, übersichtlicheren Zeiten Was ist zu tun? ist sie heute Wer ist mächtig genug, es zu tun?

Für zweckmäßig erscheint ihm die Unterscheidung von Macht und Herrschaft. Macht bedeutet nicht automatisch Herrschaft. Letztere ist für ihn noch in der Politik angesiedelt. Die Macht dagegen entzieht sich dem Einfluss der Politik in der globalisierten Welt, da sie nicht an nationale Grenzen gebunden ist. 

Heutzutage ist der Wandel die einzige Konstante. Um sich nicht zu früh festlegen und feststellen zu müssen, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben, halten wir uns die Optionen so lange wie möglich offen und selbst dann haben die Entscheidungen nur vorläufigen Charakter. Als Beispiel nennt er die moderne Architektur, deren Bauweise es ermöglicht, Gebäude bereits nach zwanzig Jahren wieder abbauen, in ihre Einzelteile zerlegen zu können. Ganz anders dagegen die gotischen Kathedralen, die für die Ewigkeit gebaut wurden 

Nichts scheinen wir mehr zu scheuen, als dass eine Episode zu einer Epoche oder mehr wird. War für Max Weber der Kapitalismus noch von Zweck-Rationalität geprägt, ist es heute die Rationalität der Möglichkeiten, die Handeln und Denken dominiert. Was auf den ersten Blick attraktiv erscheint, verliert bei näherer Betrachtung an Reiz, da eine Zeit ständiger Unsicherheit bzw. Ungewissheit vor uns liegt und sich die Einstellung verstärkt, daran nichts ändern zu können – eine Art von Schicksalsergebenheit, die dann wiederum an alte Zeiten, wie das Mittelalter erinnert. 



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