Rentner löst eines der größten Mathe-Rätsel am Wissenschaftsbetrieb vorbei

Von Ralf Keuper

Ein Rentner aus dem Taunus hat – einem genialen Einfall folgend – eines der größten Rätsel der Mathematik gelöst, und das quasi am Wissenschaftsbetrieb vorbei.

In den Medien wurde darüber ausgiebig berichtet:

Der „Wunderopa“ heisst mit Namen Thomas Royen. Ihm gelang der Beweis für die Gaußsche Korrelationsungleichung. Auf Wikipedia steht dazu:

Im Sommer 2014 gelang Royen – damals bereits seit vier Jahren im Ruhestand – mit Hilfe der Laplace-Transformation für multivariate Gamma-Verteilungen der Beweis der erstmals 1955 formulierten Gaußschen Korrelationsungleichung (engl.Gaussian correlation inequality, kurz GCI).[3] Er veröffentlichte seinen Beweis auf der Wissenschaftsplattform arXiv[4] und in einer wenig reputablenindischen Fachzeitschrift für Statistik,[5] weswegen der Beitrag zunächst kaum wahrgenommen wurde. Erst als Ende 2015 zwei polnische Mathematiker Royens Arbeit auf arXiv neu präsentierten,[6] erhielt er die Anerkennung seines Fachs.[7] Internationale Medien wurden 2017 durch einen Artikel im Wissenschaftsmagazin Quanta auf ihn aufmerksam.[8]

Grund für die späte Anerkennung seiner Entdeckung durch die Fachwelt war, wie es in dem Wikipedia-Eintrag zur Sprache kommt, dass Royen seinen Beweis nicht in einer der unter Wissenschaftlern respektieren Zeitschriften veröffentlichte.

Royen unternahm den Versuch, seinen Artikel in einer der angesehenen Wissenschaftszeitschrift zu publizieren – dem Journal of Multivariate Analysis. In dem Beitrag/Porträt Der Beweis in der FAZ vom 7.04.2017 schreibt Sibylle Anderl:

Dem Herausgeber gefiel aber laut Royen der Stil des Artikels nicht, er wurde nicht einmal zur Begutachtung weitergeleitet. Royen berichtet, dass ein französischer Kollege ihm daraufhin sagte: „Thomas, du hast noch die alte Art. Du veranstaltest nicht genug Wirbel“.

Da hätte Royen einiges von den Hirnforschern lernen können 😉

Allerdings hatte die Tatsache, dass Royen kein Teil des Establishments bzw. des Denkkollektivs war, auch seine Vorteile.

Dass Royen sich eher am Rande der Mathematiker-Community bewegt, war womöglich sogar von Vorteil. So konnte er das Problem der Gaußschen Korrelationsungleichung unbekümmert angehen. Die Fallstricke der Ungleichung, die andere Mathematiker in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zur Verzweiflung gebracht hatten, waren ihm gar nicht so bewusst (Quelle: Der Wunderopa der Mathematik)

Öfter, als man glaubt, kommen die besten Ideen aus der „Schöpferischen Peripherie“ (Egon Friedell)

Laut Royen ist der Beweis relativ einfach zu verstehen:

Das Verblüffende an seinem Beweis ist, dass er klassische Methoden nutzt, die im Grunde jeder Mathematikstudent verstehen kann. Der Beweis ist nur wenige Seiten lang. „Ein Student braucht vielleicht eine Stunde, um ihn nachzuvollziehen“, meint Royen. Statistiker könnten die Ungleichung beispielsweise nutzen, um Korridore einzugrenzen, in denen sich Preise von Aktien bewegen, erklärt der Mathematiker Richards (ebd.).

Dieser Beitrag wurde unter Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftsmanagement, Wissenschaftstheorie abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.