Wie wichtig sind die (treuen) Fans für den Profifussball überhaupt noch?

Von Ralf Keuper

Die aktuellen Fan-Proteste gegen die Austragung von Fussballspielen in der 1. Bundesliga montags wirft die Frage auf, wie wichtig die “klassischen Fans” überhaupt noch für den Profifussball sind – genauer: wie wichtig sind die Fans, die regelmäßig ins Stadion gehen? Erliegen die Fans, was ihre Rolle angeht, womöglich einer Illusion?

Was das betraf, hatte der legendäre Sponsor und ehemalige Präsident von Eintracht Braunschweig, Günter Mast, klare Vorstellungen. In dem Interview „Die Fans habe ich nie gebraucht“ mit der FR äußerte er sich entsprechend. Hier einige Auszüge:

Auch die Fans waren nicht begeistert, dass der Name ihres Vereins geändert werden sollte.

Pa! Die Fans habe ich nie gebraucht. Dem Zuschauer kann das doch völlig egal sein, ob der Verein einen anderen Namen hat als früher. Entscheidend ist doch nur, dass Geld da ist, um zum Beispiel den erfolgreichen Spieler XY aus Italien zu engagieren. Der kann den Sturm verstärken, das kostet entsprechend viel und das muss der Verein aufbringen.

Aber vielleicht kommt der Fan dann nicht mehr ins Stadion…

Die Einnahmen durch Zuschauer-Entgelte sind doch vergleichsweise gering. Es braucht horrende Beträge, die aufzuwenden sind, um einen Spieler zu verpflichten, die Ablöse, das Gehalt. Und nur mit werblichen Maßnahmen kann der Verein sich das leisten.

In der Österreich hat die Firma Red Bull den Traditionsverein Austria Salzburg übernommen: Er heißt jetzt Red Bull Salzburg und die Vereinsfarben wurden geändert.

Ach, wirklich? Das finde ich gut. Die denken sich vielleicht, das hat Jägermeister damals auch versucht.

Die Fans waren ziemlich verärgert und haben einen neuen Verein gegründet.

Ach! Ärger mit den Fans! Das sind dann ein zwei, die sagen, da gehen wir dann nicht mehr hin, und dann steht in der Zeitung: Fans sind gegen das und das. Wer sein Unternehmen nach der Meinung der Masse ausrichtet, dem kann ich keinen Erfolg prophezeien.

Sie haben kein Verständnis für die Bedürfnisse der Fans?

Nein! Man kann von den Fans nicht leben, wir leben vom Geld. Die Leute gehen ins Stadion, wenn man wirtschaftlich erfolgreich ist. Dann kann man eine Mannschaft präsentieren, die siegt und so begeistert man die Fans. Aber Entscheidungen auf die Fans auszurichten, das ist meiner Meinung nach gar nicht möglich, weil man dann zu keiner Entscheidung kommt. …

Können Sie verstehen, dass Menschen lieber einen Sport hätten, der weniger mit dem Kommerz verbunden ist?

Nein, das kann ich nicht verstehen. Diese Leute begreifen nicht, dass Sportvereine Unternehmen sind. Wer das nicht weiß, dem kann man das nicht übel nehmen, aber der soll sich in diese Dinge nicht einmischen. Ohne Geld geht es überhaupt nicht. Hochleistungssport ist ohne Geld überhaupt nicht durchführbar. Wie wollen Sie das machen?

Weitere Informationen:

„Bundesligavereine sind Wirtschaftsunternehmen“: So radikal will Hannover-Chef Kind den deutschen Fußball umkrempeln

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