Richard Koo über die „Balance Sheet Recession“ und ihre Akzeptanzprobleme in der Wissenschaft

Von Ralf Keuper

Richard Koo, Leiter des Nomura Research Institute in Tokio, erläutert in einem Fernsehinterview in wenigen Sätzen den von ihm geprägten Begriff der Balance Sheet Recession. Zur Veranschaulichung wählt er die Lage in seinem Heimatland Japan seit den 90er Jahren. Trotz niedriger Zinsen, war der Privatsektor nach dem Platzen der Immobilienblase nicht bereit, sich zu verschulden. Stattdessen gingen Haushalte und Unternehmen dazu über, ihre eigenen Schulden zurückzuzahlen, um ihre Bilanzen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Koo wählt in dem Zusammenhang den Begriff „excessive debt“. 

Der einzige Grund, weshalb Unternehmen ihre Schulden trotz niedriger Zinsen zurückzahlen, ist, dass sie überschuldet sind. Ein Fall, der in Lehrbüchern bis heute schlicht nicht vorkommt. 
In dieser Situation muss nach Koos Ansicht der Staat als Schuldenmacher einspringen, um den Sturz in die Depression zu verhindern. Auch dieser Fall fehlt in den gängigen Werken der Ökonomen. 

Nicht ohne Ironie bemerkt er:

This is a new concept not in the school books. Difficult for people to understand.

Die Parallelen der aktuellen Entwicklung in Europa und den USA zu der Japans sind für Koo immer auffälliger. In Japan dauerte es 15 Jahre, bis die Privatwirtschaft wieder in einer Verfassung war, Kredite aufnehmen und zum Wachstum beitragen zu können. Grund dieser ungewöhnlich langen Erholungsphase waren die Auflagen des IWF von 1997, die eine deutliche Reduktion der Staatsausgaben forderten, und die von der japanischen Regierung auch umgesetzt wurden. 
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