Die Wahrheit der Lüste. Zur Philosophie von Michel Foucault

Von Ralf Keuper

Die sehenswerte Fernsehdokumentation Die Wahrheit der Lüste. Zur Philosophie von Michael Foucault beschrebit  die  Philosophie und Person von Michel Foucault, der zeitlebens ein Außenseiter im akademischen Betrieb in Frankreich war. Um so wirkungsmächtiger sind seine Gedanken bis heute. 

Furore machte er im Jahr 1966 mit der Veröffentlichung des Buches Die Ordnung der Dinge, das für die damalige Zeit einen unkonventionellen Ansatz in der Philosophie vertrat. Für Foucault ist der Humanismus, d.h. die Beschäftigung des Menschen mit sich selbst,  eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Die Humanwissenschaften führen uns vor Augen, wie der moderne Mensch zu dem wurde, was er heute (noch immer) ist. Daher kann man an dem aktuellen Forschungsstand in den Humanwissenschaften auch den aktuellen Zustand der Menschen bzw. der Menschheit ablesen. 
Für Foucault ist der Mensch und damit der Humanismus jedoch nur ein Oberflächenphänomen, eine Zeiterscheinung. 
Im weiteren Verlauf entwickelte Foucault seine Methode der Archäologie des Wissens. 

Bis heute für Diskussionsstoff sorgt der Machtbegriff bei Foucault. Macht ist für ihn kein absolutes auf wenige Personen und Institutionen beschränktes Phänomen, sondern ein Geflecht, das sich über alle Lebensbereiche legt und über kein dominierendes, allmächtiges Zentrum verfügt. Foucault interpretierte die Macht vor allem körperlich, da die Machverhältnisse auch in den Körper eingehen, z.B. über die verschiedenen Disziplinierungsmaßnahmen. Gefängnisse nahmen für Foucault eine Schlüsselstellung als gesellschaftlichen Versuchslabor ein. Nirgendwo sonst hat die Macht so viel Gelegenheit zur Besitzergreifung und Kontrolle der Körper. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse lassen sich dann in abgewandelter Form in die Gesellschaft übertragen. 
Moderne Macht nun herrscht mittels der Lüste über das Leben der Menschen. Vieles von dem, was als sexuelle Befreiung gefeiert wurde und wird ist nur eine weitere, subtile Form der Verkörperung gesellschaftlicher Machtverhältnisse.

Gegen Ende seines kurzen Lebens wandte sich Foucault Fragen der Selbsttechniken und Selbststilisierungen zu, die in der Antike mit ihrer Balance von Ethik und Ästhetik eine bislang nie mehr erreichte Höhe erklommen haben. 

Die Essenz, die Motivation seiner Philosophie beschrieb Foucault einmal damit, dass für ihn die Frage „Weshalb wurde etwas zum Problem?“ von Interesse sei. Ein Ansatz, der bei den zeitgenössischen Philosophen und Historikern auf wenig Verständnis stieß. Foucault wollte ausdrücklich kein System entwerfen, sondern konkrete Probleme analysieren, interpretieren und wenn möglich zu ihrer Lösung beitragen. 

Weitere Informationen:

Alex Demirović im Interview über Foucaults Rezeption und heutige Bedeutung

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