How to be a Conservative-Liberal-Socialist (Leszek Kolakowski)

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Eine wissenschaftlich begründete menschliche Solidarität gibt es nicht (Leszek Kolakowski)

Eine wissenschaftlich begründete menschliche Solidarität gibt es nicht. Gewiss kann ich mich davon überzeugen, dass es nicht in meinem Interesse liegt, zu rauben, zu vergewaltigen oder zu morden, weil das Risiko zu groß ist. Das ist das Hobbes’sche Modell: von der Furcht gezügelte Gier. Doch das soziale Chaos steht im Schatten einer solchen moralischen Anarchie. Wenn eine Gesellschaft aus Umsicht allein an moralischen Normen festhält, ist sie extrem schwach und ihr Stoff reißt bei der kleinsten Krise. In einer solchen Gesellschaft gibt es für persönliche Verantwortung, Barmherzigkeit und Mitleid keine Basis. Nun wird mit dem ökologischen Imperativ ein neues Ethos der Selbsterhaltung diskutiert. Bis zu einem gewissen Maß mag es stimmen, dass wir instinktiv auf Arterhaltung programmiert sind.

Doch die Geschichte des letzten modernen Jahrhunderts hat unmissverständlich gezeigt, dass wir Mitglieder unserer eigenen Spezies ohne große Hemmungen vernichten können. Sollte es tief unten auf biologischer Ebene eine Solidarität der Spezies geben, so hat sie uns davor nicht bewahrt. Also brauchen wir Instrumente menschlicher Solidarität, die sich nicht auf unsere Instinkte, Eigeninteressen oder auf Gewalt gründen. Der kommunistische Versuch, Solidarität zu institutionalisieren, ist in der Katastrophe geendet. (in: “Ich rechne nicht mit dem Tod Gottes”).

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Eine Gesellschaft, die an eine expandierende Technologie gefesselt ist .. kann ihre Wahrnehmung der Welt nicht verabsolutieren oder einfrieren (Ernest Gellner)

Eine Gesellschaft, die an eine expandierende Technologie gefesselt ist und folglich an eine expandierende kognitive Grundlage, kann ihre Wahrnehmung der Welt nicht verabsolutieren oder einfrieren. Eine solche Gesellschaft bekommt ein Gespür für die Unabhängigkeit der vernunftgemäßen Wahrheit von der Gesellschaft, und es fällt ihr schwer, die Idee einer eindeutigen und endgültigen Offenbarung ernst zu nehmen. Ihre hochentwickelte Fähigkeit zu alternativen Konzeptualisierungen desselben Gegenstands und ihr Gespür für die Trennbarkeit von Sachverhalten macht es ihr schwer oder unmöglich, sich eine Weltsicht zu eigen zu machen, die eine autoritative Zuweisung von Rechten und Pflichten und zugleich die Rechtfertigung solcher Zuschreibung impliziert (in: Bedingungen der Freiheit. Die Zivilgesellschaft und ihre Rivalen). 

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Viktor E. Frankl – Die Sinnfrage in der technologischen Gesellschaft

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Die Wandlung der deutschen Kulturidee in weltversöhnlich-demokratische Richtung (Thomas Mann)

Die Gegensätze, die heute Deutschland zerreißen, führen mancherlei Namen und kleiden sich in macherlei Gestalt. Im Grunde und in der Tiefe sind sie nur einer: der Gegensatz von Trotz und Willensaneignung zu versöhnlichem Zugeständnis; die mit bleicher Erbitterung umkämpfte Streitfrage, ob Deutschland auf seinem überlieferten Kulturbegriff beharren oder eine korrigierende, ihn ins Neue hinüberwandelnde Hand daran legen soll. Wir sind zu sehr ein geistiges Volk, als dass wir im Widerstreit von Staatsform und Glauben zu leben vermöchten. Indem es die republikanische Staatsform einführte, war Deutschland nicht “demokratisiert”. Jeder deutsche Konservativismus, jeder Wille die deutsche überlieferte Kulturidee uangetastet zu lassen muss, in politischer Sphäre, die republikanisch-demokratische Staatsform als land- und volksfremd, als unwahr und seelisch wirklichkeitswidrig verwerfen und befehden. Das liegt in der Natur und inneren Konsequenz der Dinge, und ebenfalls liegt darin, dass zur demokratischen Staatsform stehen, an ihre Möglichkeit und Zukunft in Deutschland glauben nur kann, wer die Wandlung der deutschen Kulturidee in weltversöhnlich-demokratischer Richtung für möglich und wünschenswert hält.

Quelle: Kultur und Sozialismus (1927), in: Thomas Mann. Ein Appell an die Vernunft. Essays 1926-1933

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Die Universitäten sollten mehr für ihre Debattierkultur tun

Die Universitäten sollten überhaupt mehr für ihre Debattierkultur, für ihren Stil, ihr Formbewusstsein und ihre individuelle Geschichte tun. Hier ist manches in Vergessenheit geraten, was einmal selbstverständlicher Teil der Universität war. Und übrigens auch immer noch Teil dieser großen Universitäten wie Harvard oder Oxford ist, an denen wir uns ja sonst immer gern orientieren sollen. Ich wünsche mir eine Wiederbelebung solcher Traditionen.

Quelle: Ich wünsche mir mehr Mut zur Unterscheidung, Interview mit dem kommenden Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, Peter-André Alt, FAZ vom 25.07.2018

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The age of automation. Its effects on human welfare (1955)

Yet today each of us, expert and non-expert, is being urged to have an opinion about that most advanced form or controls for industrial production, while hundred of articles have appeared in newspapers and magazines during the past two years warning the public that this new development can lead to massive unemployment or proclaiming that it will usher in a new “golden age” of plenty. The plain truth, however, is that most of us have little more real understanding of automation .. .

The purpose of this pamphlet is to increase the amount of common sense and understanding which we can bring to bear on the problems which are likely to accompany the advance of automation. …

Aus dem Kapitel “What Is Automation”:

What has happened, then is that over several decades there has been a steady increase in various major and minor industries of selfregulating machinery, of the centralization of control of the component devices, and of the integration of the machines for continuous process production. What makes the past decade so significant, and has made “automation” an everyday word, is the break-through on the theoretical level leading to the creation of the modern computers. Not only will automation come ever more rapidly where it is already under way, but it will appear in industries that, ten years ago, would have relegated such technological change to the realm of the distant future, if not to science fiction.

We often tend to think of advances in industrial machinery as the work of men who design and install the machinery itself. While these men are essential and major contributors to technological change, its roots are in the new theories developed by the “ivory tower boys” who deal with the abstract, “impractical’ frontier of human thought and conjecture about the nature of the world in which we live. When they develop a new understanding which has a wide range of both theoretical and practical applications a major “break-through” has been scored and neither the world of the university nor the world of the factory can remain the same.

The best-known modern example of this is Albert Einstein, from who e theories about the nature of matter, developed a “pure science,” we have moved in relatively short time to the hydrogen bomb, the atom-powered submarine, and atom-power-derived electricity. The advances of automation would have been low and limited if it had not been for the work of  “pure” scientists in the fields of communication theory and mathematic, plus the pre ssure of the Second World War for vastly better computing and controlling devices for defense against aircraft, etc. These “pure” scientists in Britain, France and the United State were of many different national origin including Japanese, Mexican and German. …

Aus “Automation and Individualized Products”.

There is some evidence now of an expanded demand in our society for the customized, the individualized product. Although it is very mall, the percentage of custom-made car have been increasing every year, and so have the number of mass-produced cars individualized by “hot rodder .” There ha been a noticeable revival of the cabinet-making craft using plastics and plywoods to create unique kitchen cabinets, hi-fi sets, and recreation rooms for people living, in many case , in more or less mass -produced homes. “Do it your elf,” which sometimes i a costly or more costly than buying ” it,” is another .mean by which greater individuality is being brought into the artifacts of everyday existence.

Will automation threaten this trend toward more variety in products and more individuality in posessions, or can it facilitate it by providing high-quality standardized units a the foundation upon which to construct the customized superstructure? Which way, in these terms, should the small manufacturer jump? Should he try to compete with the big fellow by automating his production, too, if it is financially possible to do so and if he can obtain the necessary personnel and research? Or could he latch on to the trend in our consumption patterns toward the more individualized product and even act to facilitate that trend in order to keep his market and his place in the economic sun?

Die personalisierte Produktion (Mass Customization) soll, Jahrzehnte später, mit der Industrie 4.0 und 3D-Druck Wirklichkeit werden bzw. ist es in Teilen schon. Die Fragen bleiben.

Quelle / Link: The age of automation. Its effects on human welfare

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Edmund Husserl: Neuaufbruch der Philosophie

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Es gibt keine reinen eindeutigen Geschichtstendenzen in unserer Welt (Golo Mann)

Es gibt keine reinen eindeutigen Geschichtstendenzen in unserer Welt, unserem Geist, und wenn es sie gäbe, so würden sie sich doch nie ganz durchsetzen, sondern von andern durchkreuzt werden; und wenn selbst keine andern, fremden da wären, so würden sie doch aus ihnen selbst sich entwickeln. Keine Epoche gehorcht einem einzigen Nenner. Keine Macht, kein Volk, keine Idee monopolisiert die Weltgeschichte für länger als einen kurzen, scheinbaren Augenblick.

Quelle: Friedrich von Gentz. Gegenspieler Napoleons – Vordenker Europas

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Einige interessante Beiträge der letzten Zeit aus Philosophie und Wissenschaft #36

Von Ralf Keuper

Erneut eine kurze Aufstellung von Beiträgen aus den Bereichen Philosophie und Wissenschaft, die mir in den vergangenen Tagen/Wochen aufgefallen sind:

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