Subjektivität ist nicht die Geschichte eines stabilen, absoluten „Ichs“ (Siri Hustvedt)

Subjektivität ist nicht die Geschichte eines stabilen, absoluten „Ichs“, das durchs Leben marschiert und eine bewusste Entscheidung nach der anderen trifft. Sie ist auch kein körperloses Maschinengehirn, das genetisch darauf programmiert wäre, in festgelegten, vorhersehbaren Weisen zu handeln. Das früher einmal so beliebte Modell des Gehirns als Festplatte, auf die Software aufgespielt wird, hat im Lauf der Zeit an Popularität verloren. Der Computer wurde mit dem Aufkommen der Technologie ein kognitives Modell, und ich finde es abwegig, wenn Wissenschaftler und eine ganze Reihe Philosophen beschließen, eine Maschine sei ein angemessenes Modell für den menschlichen Geist. Zunächst einmal sind Maschinen nicht emotional, und ohne affektive Werte können Menschen Entscheidung treffen. Sie büßen eher als Urteilsvermögen ein, als dass sie es gewönnen. ..

Außerdem ist unsere Subjektivität nicht abgeschottet gegen die Außenwelt, sondern offen. Das ist unstrittig, aber seltsamerweise wird es häufig vergessen, und aufgrund des wissenschaftlichen Faibles für die Hirnfunktion werden diese Prozesse mitunter behandelt, als ereigneten sie sich in einem isolierten körperlosen Organ – ein Haufen Neuronen in einem Behältnis, die ihrem eigenen Geschäft nachgehen.

Quelle: Die zitternde Frau. Eine Geschichte meiner Nerven

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