Die Macht über-individuellen Fachwissens (Zygmunt Baumann)

Die Macht über-individuellen Fachwissens über die Lebenswelt des Individuums reproduziert sich selbst. Nachdem es sich effektiv aller lebensfähigen Alternativen entledigt hat, zeigt es eine virtuell ungehemmte Fähigkeit zu wachsen. Da es eher als eine Bedingung der Freiheit denn als Unterdrückung wahrgenommen wird, ist es unwahrscheinlich, dass seine Ausdehnung auf ernsthaften Widerstand trifft. Schließlich hängt die Autorität und gesellschaftliche Anerkennung nicht mehr von dem Erfolg seiner Ergebnisse ab. Falls es einem einzelnen Instrument oder Rezept einmal nicht gelingt, sein Versprechen zu erfüllen, resultiert daraus keineswegs eine Entzauberung; viel häufiger führt ein solcher Fehlschlag statt dessen zu Selbstvorwürfen und löst eine verstärkte Nachfrage und eine noch hektischere Suche nach einer besseren, effizienteren Dienstleistung von Experten aus. Wenn die Individuen einen Moment innehalten, um nachzudenken und sich die Richtlinien ihrer Lebensstrategie klarzumachen, werden sie wahrscheinlich die Aussichten auf ein glückliches, problemfreies Leben mit dem unaufhaltsamen Fortschritt von Fachwissen und der Technologie, die es erzeugt, identifizieren.

Quelle: Zygmunt Baumann: Moderne und Ambivalenz. Das Ende der Eindeutigkeit

Weitere Informationen:

Wir kochen Hagebuttenmarmelade III – ein Vortrag von Klaus Kusanowsky

„The Social Control of Knowledge in Democratic Societies“ (Nico Stehr)

Die Funktion von Experten ist durchaus nicht passiv (Nico Stehr)

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