Prominentenwahn (Holger Rust)

Ein anderes Ritual des Spießers ist sein Prominentenwahn. Normalerweise ist ja Prominenz etwas Erworbenes, etwas, das mit außergewöhnlicher Leistung zu tun hat. Beim Prominentenwahn ist das nicht mehr so. Da werden die Auserwählten am Fließband produziert. Denn in einem sich „explosionsartig ausbreitenden Medienuniversum“ – in den „Nullmedien“ – fordert der Konkurrenzkampf ständig das neue Sensationelle. Und das behält dennoch immer seine alten Inhalte. Die stets alten und neuen Prominenten werden zu den Exhibitionisten, zu „Hunderten von nichtssagenden Komparsen und Komparsinnen“, die als „Stars auf den Seiten einer aufgekratzten Journaille“ konkurrieren: die Models und Moderatoren und die Politiker – Claudia Schiffer, Verona Feldbusch, Hiltrud (Hillu) Schröder, Birgit Schrowange, Arabella Kiesbauer und Nina Ruge, um nur einige der wechselnden Berühmtheiten zu nennen. Das Publikum, der Voyeur, ist begeistert. Das Leben ist eine „Klatschrunde“.

Quelle: Die Revolution des Spießertums.Wenn Dummheit epidemisch wird

Dieser Beitrag wurde unter Einige interessante Beiträge aus Philosophie und Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, Soziologie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.