Scheiternde Großprojekte und postheroisches Management

In einem Interview mit der FR liefert der Systemtheoretiker Dirk Baecker seine Einschätzung der Ursachen und Begleitumstände, die zu dem Debakel beim Bau des neuen Berliner Flughafens geführt haben.

Fast schon regelmäßig wird die Öffentlichkeit von weiteren Verzögerungen informiert, woraufhin die politisch Verantwortlichen, und hier vor allem Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, in Aktionismus verfallen und durch Personalwechsel die Probleme zu lösen glauben. 

Die Spezialität der Systemtheorie ist die Analyse komplexer (sozialer) Systeme. Deren Übervater Niklas Luhmann warnte angesichts wachsender Unübersichtlichkeit der sozialen Systeme, wozu auch Großprojekte wie der Berliner Flughafen zählen, vor übertriebenen Erwartungen an deren Steuerbarkeit durch direkte, in diesem Fall, medienwirksame, Eingriffe. Diese Form von Management bezeichnet Dirk Baecker als das heroische, dem er das Idealbild des postheroischen Managements entgegensetzt. Postheroische Manager wissen um die Grenzen ihrer Einflussmöglichkeiten und versuchen daher das System durch die Nutzung der in ihm enthaltenen verteilten Intelligenz in die gewünschten Bahnen zu lenken. Das klingt ein wenig nach F.A. von Hayek, für den Wissensmonopole eines der größten Hemmnisse für den freien Wettbewerb und Innovationen waren. 

Die aus meiner Sicht interessanteste Aussage Baeckers in dem Interview ist jedoch folgende:

Viele unserer „Systeme“ sind nur von Experten zu bedienen. Aber wenn man nicht dafür sorgt, dass die Experten in den Systemen von Experten außerhalb der Systeme jederzeit kritisch beobachtet und ersetzt werden können, hat die Gesellschaft ein echtes Problem.

Dazu passt eine Bemerkung aus einem anderen Interview mit dem Architekten Albert Speer Jun. in der SZ vom 10.01.2013. Gegenstand des Interviews war ebenfalls der Berliner Flughafen. Auf die Frage, ob ihm überhaupt aus eigener Erfahrung ein Großprojekt bekannt sei, das weitgehend nach Plan verlief, nannte er den Bau der Allianz-Arena in München. Als Grund dafür, dass die Arena wie geplant nach viereinhalb Jahren fertiggestellt wurde, nannte er die Etablierung eines unabhängigen Kompetenzteams, bestehend aus einer der rennomiertesten Anwaltskanzleien Münchens, Architekten und weiteren Fachleuten, die den Baufortschritt von Anfang an begleiteten. Auf dieser Regelung hatten die beiden Bauherrn, der FC Bayern München und der TSV 1860 München, bestanden.

Es hätte nicht schaden können, wenn der Berliner Senat sich von diesem Beispiel hätte inspirieren lassen. Für Spitzenpolitiker mit ihrem Anspruch ist das aber wohl nicht heroisch genug. 

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Ein Kommentar zu Scheiternde Großprojekte und postheroisches Management

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